Posterous theme by Cory Watilo

Urbane Mobilität: moltimodal, kostengünstig, bequem

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Ich sag's ganz ehrlich, ein E-Bike fehlt mir noch in meinem persönlichen Mobilitäts-Portfolio. Ein Mitgrund, um bei der Blogparade des ÖkoEnergie-Blogs mitzumachen. Was würde ich damit anfangen: Einen Radanhänger kaufen und damit mit den Kindern weitere Strecken fahren bzw. auch grössere Einkäufe erledigen, die ich jetzt mit dem Auto mache.

Was funktioniert?

Warum denn Einkaufen nicht mit dem Auto, ist doch viel bequemer, werden sich manche jetzt fragen? Mittlerweile sehe ich das als langjähriger Städter anders. Abgesehen von den stetig steigenden Kosten für den Betrieb eines solchen kommt es mir als passionierter Radfahrer einfach unangemessen vor, so ein grosses Ding, das sich Automobil (= selbstfahrend!?) für eine kurze Fahrt zum Supermarkt in Betrieb zu nehmen, damit beizeiten im Stau zu stehen und einen Parkplatz zu suchen, der gross genug ist, vorsichtig einparkend, damit da ja kein Schaden bei meinem oder eines anderen Gefährt entsteht ...

Aber manchmal ist es halt doch bequemer. Wenn's regnet, wenn die Strecke eine weitere ist, wenn's mitsamt Kindern und Gepäck quer durch die Stadt geht, wenn man mal wirklich faul ist. Ich hab dann trotzdem kein schlechtes Gewissen. Ich zahle dafür. Sprit, Parkgebühren, Wertminderung, Reperaturen und Steuern. Und eigentlich zahlen "wir" Autobesitzer und -benützer noch immer zu wenig, wenn man von echter Kostenwahrheit ausginge.

Grundsätzlich verkehre ich in der Stadt mit dem Fahrrad, einem robusten Diamant-Citybike, wer's genau wissen will. Wenn's wirklich in Strömen regnet oder Minusgrade hat, dann steige ich auf die Öffis um.

Für Überlandreisen und die oben genannten Ausnahmen benütze ich ein Auto, einen Mazda 6, wer's genau wissen will. Dieses Vehikel teilt sich meine Familie mit einer befreundeten Familie seit mehr als drei Jahren. Funktioniert prächtig, ein paar mal im Jahr gibts Engpässe. Dann fährt eine Partei mit dem Zug, borgt sich im Freundeskreis ein Auto aus oder bucht ein Leihauto.

Was fehlt?

Ich bin mittlerweile recht zufrieden mit meinem persönlichen Mobilitätsmanagement. Was mir fehlt ist einerseits eine durchgehend bessere Fahrrad-Infrastruktur. Da gibts in Wien noch ordentlich was aufzuholen, bis man dort angelangt ist, wo für das Fahrrad-Mekka Kopenhagen aus der Radverkehrsförderung gerade neue Probleme entstehen.

Auch ein professionelles Peer-to-Peer Carsharing System wäre wünschenswert, wie z.B. Getaround oder Tamyca, um auch als überzeugter Sharer die Engpässe des 2er-Carsharings zu umgehen und verschiedene Fahrzeugtypen (vom Cabrio bis zum VW-Bus) zu wesentlich günstigeren Kosten zur Verfügung zu haben, als es in Wien der Carsharing-Marktführer Denzel anbietet. Die Vorarlberger Initiative Caruso führt derzeit ein Forschungsprojekt zu dem Thema durch und hat bereits Lösungen entwickelt.

Und natürlich fehlt mir noch ein E-Bike.

 

 

Weitere Beiträge

Beobachten, reflektieren und ... handeln statt verdrängen

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Dieses Bild von 9/11 passte so gar nicht in die Ikonographie der damaligen Ereignisse. Deswegen löste es auch die erwartbaren Kontroversen aus. Ich fühlte mich bei der Betrachtung dieses Fotos quasi ertappt, weil die fünf New Yorker, die aus sicherer Entfernung im Stadtteil Williamsburg den Terroranschlag beobachten und in dem Moment der Aufnahme wohl gerade darüber diskutieren, Leute wie ich zu sein scheinen.

Lässige, gebildete, urbane Menschen, Bobos wie wir sie nennen, im coolsten Stadtteil Brooklyns ansässig.

Die Szenerie im Hintergrund wäre heute austauschbar mit:

  • den Kriegen in Irak und Afghanistan
  • den sozialen Unruhen in London und sonstwo auf der Welt
  • der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika
  • den Massentötungsfabriken für Tiere, die wir auf den Griller legen
  • etc. etc.

Einzig im Falle des Super-GAU von Fukushima wären die fünf wahrscheinlich nicht mehr so locker.

Das Irritierende an dem Bild ist wohl, dass man keine Spur von Angst, Entsetzen, Empörung oder sonst einer starken Emotion spürt. Der Hintergrund erscheint einem wie der Bildschirm seines Fernsehers oder Laptops.

Ich selbst könnte einer dieser fünf sein. Rückblickend: Was hätte ich denn tun sollen?

Genau das wäre womöglich die Frage, die ich mir öfters stellen sollte, akut und prophylaktisch:

Was kann ich tun?

Hinschauen wär mal das erste, darüber reden mit anderen das nächste. Und dann womöglich nicht gleich wieder verdrängen und zum nächsten spannenden Thema auf ORF ONLINE klicken oder in meinem Twitterstream, sondern dranbleiben. Schlüsse ziehen aus der persönlichen und kollektiven Reflexion, Verhalten ändern.

 

Die Blindheit für das System

Abbruchhaus

Irgendwie kann ichs nicht mehr glauben, dass es Unwissenheit ist, wenn renommierte politische Journalisten, denen man eine gewissen Grundintelligenz unterstellt, die Wirkung eines Systems (auf welcher Ebene auch immer) ausblenden und sich lediglich auf die Verantwortung Einzelner konzentrieren.

Die Lektüre des Kommentars von Martina Salomon im Kurier vom 13. August 2011 "Und wo bleibt die individuelle Verantwortung?" hat mich deswegen ziemlich aufgeregt.

Und ab jetzt hab ich mir vorgenommen, mit meinem Zorn öfters hausieren zu gehen. Hier mein Leserbrief bzw. Posting:

 

Sehr geehrte Frau Salomon,
Sie schreiben "Aber nicht alle Probleme lassen sich mit Sozialpolitik lösen." und fordern von den Bürgern "Leistung, Kreativität und Mut, um es auch aus eigener Kraft zu Wohlstand zu bringen."

Was aber, wenn die Aneignung Ihrer besagten Tugenden von einem - vermeintlich alternativlosen gesellschaftlichen System - bewusst oder unbewusst - im Rahmen der Bildungspoltik, Wirtschafts- und -Sozialpolitik ignoriert, vernachlässigt und unterwandert wird?

Die individuelle Verantwortung, von der Sie reden, liegt hier nicht bei den Stimmlosen, Unwissenden, Rechtlosen, Chancenlosen, Hoffnungslosen dieser Welt, denen eine systemische Gewalt widerfährt, die gerne ignoriert wird vor dem Hintergrund der handfesten Gewalt Einzelner.

Die individuelle Verantwortung läge bei Leuten wie Ihnen, die mit dem Glück der Geburt in eine priveligierte soziale Schicht die nötige Bildung besitzen, um mit etwas gutem Willen das bestehende System zu hinterfragen und dessen Widersprüche zu entdecken. Und die eine Stimme haben (Sie als Journalistin ganz besonders), mit der Sie innerhalb Ihres Wirkungskreises darüber aufklären.

Die Argumentation Ihres Kommentars gleicht dem Versuch, für die Folgen eines Krieges in erster Linie die Soldaten an der Front zur Verantwortung zu ziehen. Die Fädenzieher freuen sich garantiert über derlei Interpretationen durch die "unabhängigen" Medien.

 

Wer ist also verantwortlich für unser brüchiges Haus (die bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftsordung)? Die Bauherren, der Architekt, die Professionisten, die Baubehörde, die Bauordnung, die Beschliesser/Bewahrer der Bauordnung, ...?

Was meint Ihr?

 

P.S.

Frau Salomon hat auf meinen Leserbrief per email reagiert:

Sehr geehrter Herr Leitner-Sidl!
So fatalistisch wie Sie sehe ich die Lage nicht. Es ist traurig, dass die Eliten moralisch so oft versagen, aber das bedeutet nicht, dass das Individuum nicht die Freiheit hat, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und wieso meinen Sie zu glauben, dass ich einer "privilegierten sozialen Schicht" entstamme? Es stimmt nicht. Mit freundlichen Grüßen! Martina Salomon
 
Dr. Martina Salomon
stv. Chefredakteurin